Hard Corps – Metal & Flesh

Die britische Synthpop Band „Hard Corps“ hat in der Zeit ihres Bestehens in den 80ern nur EPs veröffentlicht. Bei Erscheinen des Debüts gab es sie schon nicht mehr… Eine Zeit lang drohten sie in Vergessenheit zu geraten, erfuhren aber 2012 eine Renaissance mit einer Zusammenstellung auf Minimal Wave. Die Musik erhält dabei ein besonders poppiges Flair dank des Gesanges der französischstämmigen Regine Fetets – selbst wenn die Stücke wie „dirty“ etwas aggressiver werden. Platten und Compilations der Band sind entsprechend schnell vergriffen. Nicht nur wegen Hits wie „je suis passé“. Umso erfreulicher, dass Anna Logue Records nun gerade die großartige Compilation „metal & flesh“ veröffentlicht hat, die nicht nur das quasi Debüt der Band mit demselben Titel weitgehend umfasst, sondern noch etliche weitere großartige und gesuchte Tracks. Das hier ist für mich eines der absoluten Highlights des Jahres! Vielen Dank Anna Logue Records! Die Doppel LP lohnt allein schon hierfür:

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Swans – Newly Sentient Being

Es ist erstaunlich, auf welchem Niveau und in welchen dafür doch geringen Abständen Michael Gira mit seinen „Swans“ Platten veröffentlicht. Das letzte „birthing“ erschien 2025. Mit „newly sentient being“ will Gira es nun noch einmal richtig wissen: Es ist ein Live Album, das letzten November in Berlin aufgenommen wurde. Das 5 Stücke umfassende Werk enthält dabei drei neue Tracks und zwei abgewandelte von den letzten beiden Alben. Soweit so gewöhnlich. Aber Michael Gira wär nicht Michael Gira, wenn er auch hier nicht in Superlativen denken und arbeiten würde. So wird die Platte als Abschied vom epischen Soundlandschaften der letzten 15 Jahre (seit der Reunion) bzw. vom „Big Sound“-Ära – wie es überall zu lesen ist – angekündigt. Und so wundert es nicht, dass die 5 Tracks ganz 160 Minuten einnehmen. Der Titeltrack allein ist gute 53 Minuten lang! Entsprechend epochal ist die Gestaltung des Releases geraten: Vier Lps plus Poster plus DVD des Konzertes. Ja und die Musik? Die ist genau, wie man es in den letzten Jahren bei den „Swans“ kennt. Es wechseln improvisierte laute mit cineastisch-ruhigen Parts ab. Einige Parts sind geradezu poppig. Kurz: Hier passiert so viel, dass es schwierig wird, das einzufangen. In jedem Fall nichts für alle Tage, aber gerade deswegen großartig!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Damaged Goods Label

Das britische Label Damages Goods bringt im November gleich vier interessante Platten raus! Natürlich ist Billy Childish dabei mit seinem stets rumpeligen Rock’n’Roll/Punk Rock Sound. Und zwar gleich mit zwei Bands: „Thee Headcoats“ und „Armitage Shanks„. Bei letzteren ist er neu am Start und hat der Band bei dem ersten Album seit 22 Jahren unter die Arme gegriffen. Dann kommt noch das neue Album der Garagen Musikerin Miss Ludella Black – mit den „Masonics“ als Backing Band. Und last but not least „Thee Headcoatees“ – quasi die weibliche Gegenband zu „Thee Headcoats“. Alles bewegt sich auf hohem Garagensound-Level. Einzige Kritik könnte sein, dass sich der Sound bisweilen doch arg wiederholt. Aber bei Niveau macht das nichts. Alle vier Platten seien hiermit empfohlen!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Teenage Fanclub – Do Not Dare To Dream

Die schottische Indie Pop Band ist etwas besonderes. Seit nun mehr 36 Jahren veröffentlichen sie in erfreulicher Regelmäßigkeit Platten, die von allem, was in der Welt passiert unberührt scheinen, so unaufgeregt sind sie. Da bildet „do not dare to dream“ keine Ausnahme. Die Stimme von Sänger und Songschreiber Norman Blake hört sich inzwischen nicht mehr so jugendlich an. Aber das macht nichts. Irgendwie passt das zu den Texten, die sich um Alltägliches drehen. Die Band ist ja auch längst den 20ern entwachsen. Nicht auf allen Alben will das alles immer gelingen. Hier tut es das. Schöne melancholische Melodien bilden sowas wie eine wohlige Decke, die einen kuschelig umhüllt. Es fällt dabei schwer, einzelne Stücke hervorzuheben. Am besten hört man das Album ganz durch. Tolles Album!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

SGRA – Timewave

Der verrückte Mann aus Dusiburg ist nach zwei Jahren Pause zurück! Und zwar mit der neuen 7-Track EP „timewave“. Und was hat sich bei „SGRA“ seit der letzten Ep getan? Die Produktion ist besser geworden. Ansonsten beherrscht der etwas krude Sprechgesang und der druckvolle Electrosound weiterhin das Bild. Wie jüngst auf dem Unter Null Festival ausprobiert, funktioniert das ganz wunderbar auf dem Dancefloor. Das wird mit den neuen Tracks nicht anders sein und man kann es sich besonders bei dem knackigen „silence and fire“ sehr gut vorstellen. Etwas mehr Abwechslung als bei den bisherigen EPs fällt auf und tut „timewave“ sehr gut. Wieder digital und zum name your price. Kauft und gebt viel!

https://sgra-techno.bandcamp.com/album/timewave

(vk)

Toy Shop 2.0 – Future Retro

Wow! Das ist ja mal was: „future retro“ ist das erste neue Release von „Toy Shop“ – nun unter dem Namen „Toy Shop 2.0“ – seit über 40 Jahren! Das Minimal Projekt bleibt sich dabei weitgehend und produziert auch heute noch erstkalssigen Minimal. Die 14 Tracks umfassen 10 Coversongs, einen komplett neuen Track und drei Neuaufnahmen alter Tracks. Überraschend, wie das alles gelingt, ohne verstaubt zu klingen. Und so klingt das Album deutlich überzeugender als die 80er Demos, die 2020 erschienen. Mein persönliches Highlight ist dieses Cover:

https://thetoyshop.bandcamp.com/track/pretty-vacant

(vk)

Pink Turns Blue – Ghost

Der Re-Issue Reigen des „Pink Turns Blue“ Backatalogs geht weiter. Nach den ersten beiden Alben „if two world kiss“ und „meta“, die beide 2019 auf Dais wiederveröffentlicht wurden, folgt nächste Woche „ghost“ und damit erstmals eine Neuauflage eines Albums aus der Zeit nach der Band-Reunion 2003. „ghost“ erschien 2007 und war der Nachfolger des Re-Union Albums „phoenix“ von 2005. Damals nur als CD erschienen, bringt uns die Neuauflage nicht nur die CD, sondern auch eine Vinylauflage. Beim Hören heute fällt auf, dass das Album tatsächlich gut gealtert ist mit seinem Versuch, dem typischen Band Wave Sound möglichst viele Facetten abzuringen. Übrigens ist das Vinyl Version auf 300 Exemplare limitiert! Das solltet Ihr schnell zuschlagen!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Black Jeans

Das interessante Projekt „Black Jeans“ aka Russell Butler habe ich jüngst erst entdeckt. Dabei stammen die beiden bisherigen Alben aus den Jahren 2011 und 2013. Interessant ist der düstere Synthsounds deshalb, weil er etliche heute relativ bekannte Artists vorwegnahm. Der artifizielle Gesang erinnert an „Dancing Plague“. Musikalisch geht das Einiges zwischen „Soft Moon“ und „Position Parellèl“. Dazu noch einige experimentellere Ausflüge. Alles recht spannend. Seltsam, dass „Black Jeans“ etwas unterging… Der Künstler ist bis heute aktiv und macht Drone unter seinem Namen Russel Langston Ellington Butler oder an die späten 90er erinnernden Clicks’n’Cut unter dem Namen „(G)„. Schade, „Black Jeans“ war deutlich spannender….

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Not-Op – Zustand 3

Wer „Kühle Matrosen“ mal live gesehen hat, kennt den bisher einzigen „Not-Op“ Track „weltraumsex“. „Not-Op“ ist schließlich einer der etlichen Projekt Namen, unter denen Lars Trombose neben „Kühle Matrosen“ unterwegs ist. Gerade sind die vier neuen Tracks „zustand 3“ erschienen. Wie gewohnt geht es minimal treibend zu. Allerdings fügt der Matrose hier spleenige Ideen mit ungewöhnlich, richtig gesungenen Gesangsmelodien zusammen. Großartige Ep, die uns die Zeit auf das neue „Kühle Matrosen“ Album versüßt. „ton horreur“ ist dabei noch zu erwähnen, weil es sich um einen Diss Track gegen den politisch zweifelhaften Alexandre Grand („Le Syndicate Electronique“) handelt. Cooles Ding! Mein Highlight ist aber das hier:

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Boy Harsher – Get Mean

Sieben ganze Jahre hat sich das hippe Duo „Boy Harsher“ für ihr sein neues Album Zeit gelassen. Zwar waren die beiden in der Zwischenzeit nicht untätig, in anderen Projekten aktiv und veröffentlichten einen Soundtrack. Aber das letzte „richtige“ Album liegt tatsächlich sieben Jahre zurück. Wenn man solch einen Hype erfahren hat wie die beiden, ist es schwierig ein neues Album aufzunehmen. Soll man sein eigenes Klischee weiterführen (weil man damit Erfolg hatte) oder einen Bruch wagen? „Boy Harsher“ haben beides getan. Zunächste fällt auf, dass „get mean“ viel weniger „clubbig“ daherkommt. Die Stücke sind eher Stücke als Tracks und haben bisweilen Indie Pop Charakter. Hier und da hält eine Gitarre (oder ein nach Gitarre klingender Synthie) Einzug. Das gibt einen gewissen Wave Vibe. Also vieles anders. Und gleichzeitig klingt das alles nach „Boy Harsher“ allein wegen Jae Matthews Stimme – auch wenn sie ganz anders zu singen versucht. Die Beats sind etwas zu wenig abwechslungsreich, sodass die erste Hälfte des Albums etwas gleichförmig klingt. Aber nach mehrmaligem Hören entdeckt man immer wieder Neues und „get mean“ wächst. Bei „ice pick (walk away“ zeigen sie, dass sie auch ironisch können. Hier haben sie offenbar bei den „Sisters Of Mercy“ gesamplet („walk away“!) und daraus etwas Zeitgenössisches gebastelt. Ich habe bei diesem Album nichts erwartet, muss aber zugeben, dass ich ausgesprochen positiv überrascht bin und bedenkenlos eine Empfehlung aussprechen kann.

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)